|
|
Bis 1926 wechselten die Eigentümer oft schon nach kurzer
Zeit. Von 1926 bis 1958 befischte der Seefischer Rudolf Joh. H.
Reimers aus Finkenwerder mit dem LANDRATH KÜSTER 32 Jahre
lang die Nordsee. Der letzte Eigentümer Hans Brodersen ließ
den Kutter 1960 in Cuxhaven registrieren, wo er die Nummer N.C.
440 erhielt, unter der er noch bis 1970 als Fische-reifahrzeug
gefahren wurde.
Unter
verschiedenen Eigentümern fuhr das Schiff zuerst als „Freddy
Quinn“ dann als „Phönix“, wurde völlig
heruntergekommen 1991 in Holland wiederentdeckt und in Hamburg
restauriert. Seit 1997 ist Finkenwerder wieder Heimathafen, wo
der „Verein Freunde des Hochseekutters Landrath Küster“
das im Original restaurierte Schmuckstück mit den Einnahmen
aus Vercharterung in Fahrt hält.
Veränderungen
Bis
in die 20er Jahre hinein dienten dem Anderthalbmaster seine Segel
als alleiniger Antrieb. Gefischt wurde im Sommer auf der offenen
Nordsee, im Winter auf der geschützten Elbe. Als später
die massenhaften Anlandungen durch große Fischdampfer die
Preise erheblich verdarben, waren die Finkenwerder Fischer gezwungen,
auch im Winter auf offener See zu fischen. Das war für die
vergleichsweise kleinen Schiffe riskant – viele Kutter gingen
in den Winterstürmen verloren. Erst Mitte der 20er Jahre
wurden alle Finkenwerder Kutter mit Glühkopfmotoren ausgerüstet,
blieben dabei aber vollwertige Segler.
Am
22.06.1928 wird das Schiff in einem neuen Messbrief als
„Segelschiff mit Hilfsmotor“ ausgewiesen. Erstmals
wird ein Ruder- bzw. Kartenhaus erwähnt und genaue
Angaben zu Motorisierung, 25 PS HMG, gemacht. 1934 folgt
ein stärkerer Motor mit 85 PS, ebenfalls HMG.
Im Zuge des dafür erforderlichen Umbaus ist möglicherweise
die gesamte Bünnkonstruktion entfernt worden.
Zwischen
1939 und 1945 wurde H.F.231 mit Dutzenden ähnlicher
Fahr-zeugen für Zwecke der Kriegsmarine dienstverpflichtet,
meist zum Minen-fischen in der Ostsee, später vor der
französischen Kanalküste. Bei den fürs Minenfischen
vorgenommenen Umbauten war der hölzerne Mast in Holland
zurück geblieben.
1949 wird ein neuer MAK 3 Zyl. Dieselmotor mit 90 PS, 1957
ein Deutz-Diesel von 120 PS eingebaut.
|
"Landrath
Küster" , H.F. 231 Ender der 20er /
Anfang 30er Jahre im Hafen von Finkenwerder mit
dem ersten Steuerhaus. Quelle: Adi Albershardt,
Finkenwerder
|
|
|
1970
scheidet der Kutter im Zuge der „Kapazitätsanpassung“
aus der Erwerbsfischerei aus und vom Bund wurde eine Abwrackprämie
gezahlt. Die „Deutsche Marine-Jugend e.V.“
übernimmt den Kutter unter dem Namen „Freddy
Quinn“, er verkommt allmählich, wird nach Holland
verkauft, wo das Schiff trotz Investition von 125.000
Gulden immer weiter verkommt und schließlich für
5.000 DM nach Deutschland zum Kauf angeboten wird.
"Landrath
Küster" , H.F. 231 1954 auf Slip
Quelle: Vereinsarchiev
|
Die
Restaurierung
Nachdem
der ABM-Träger „Altonaer Jugendarbeit e.V.“
das Schiff erworben hatte, wurde es ab 1991 auf der ABM-Werft-Tollerort
(ehem.Lührs-Werft) in Hamburg von Grund auf restauriert.
Zunächst
musste der in Holland verpasste Kunsstoff-Überzug
. - auch „Leichentuch“ genannt - .
abgerissen werden. Dabei stellte sich heraus, dass von den
original verbauten Hölzern kaum noch etwas zu gebrauchen
war. Letzte Spuren der Bünn waren noch erkennbar und
konnten vermessen werden; darauf basierend erfolgte die Neukonstruktion.
Nach
Konkurs der „Altonaer Jugendarbeit“ kam das Projekt
vorübergehend zum Erliegen, bis die Werft am Tollerort
samt Restaurierungsprojekten durch den ABM-Träger „Jugend
in Arbeit e.V.“ übernommen wurde. Der halbfertige
Rumpf wurde zu Ende beplankt, Spiegel und Bünn fertiggestellt,
Decksbalken und Deck gelegt, Motor und Ruder neu eingebaut.

Am
31. Mai 1996 war Stapellauf des weitgehend fertiggestellten
Rumpfes. Die Komplettierung der Einrichtung und Ausrüstung
sowie das Auftakeln erfolgten anschließend am schwimmenden
Schiff. Nach der Eintragung beim Schiffsregister am 14. Mai
1997 unter SSR 18 251 kann am 23. Mai 1997 die erste Ausfahrt
unter Segeln im Beisein etlicher ehemaliger Finkenwerder Seefischer
und des bereits 88-jährigen Segelmachers Paul Külper
stattfinden.
Am Bug steht wieder H.F. 231 und am Heck stolz der Heimathafen
„Finkenwärder“.

...
zurück zum Seitenanfang !
|
|